Die Melodie der Stille

Die Melodie der Stille

Wir streben nach äußeren Glücksereignissen. Nach lauten Triumphen, immer im Kollektiv, zumindest zu zweit, zumindest noch flüsternd. Wir streben nach großen Momenten und Erfolgen, die immer von anderen wahrgenommen werden müssen, um zu entstehen. Doch Glück ist woanders. Wenn der Bezugspunkt des Glückes die anderen sind, bist du ein Sklave, bist du abhängig. Aber vor allem kannst du dann niemals einen wahren Glücksmoment erleben, denn der entscheidende Faktor ist nicht nur unkalkulierbar, sondern auch nicht erfassbar, nicht fühlbar. So bleibt immer ein Gefühl der Leere.
Im Labyrinth des Selbst dagegen ist vollendete Magie. Alles ist greifbar, alles ist beeinflussbar und alles ergibt Sinn (wenn auch nicht sofort). Wenn du genügend Zeit in der Stille verbringst, dann wirst du sie als Etwas wahrnehmen und nicht mehr als Nichts. Du wirst sie immer deutlicher hören und was du hörst wird wunderbar sein und dich glücklich machen. Denn diese Melodie der Stille ist das endgültige Begreifen des Ichs als existierendes eigenes Wesen, das intensivste Gefühl, das es geben kann. Man ist nicht länger ein Teil der Welt, man ist eine Welt. Jedes scheinbar bekannte Gefühl wird neu und faszinierend, alles Äußere bekommt einen wahren Bezug.
Und dann kommen die lauten Triumphe. Der zweite Schritt kommt nach dem ersten. Wenn du die Melodie deines Ichs kennst, dann musst du dich nicht mehr im Äußeren verlieren, sondern es wird ein Bezug, eine Verbindung zwischen den anderen und deiner inneren Welt entstehen.
Als autonomes Wesen agierst du jetzt in der großen unkalkulierbaren Welt, die auf einmal immer kalkulierbarer wird. Du musst nicht mehr nur reagieren, da nun etwas da ist, an dem du alles reflektieren kannst. Im Lärm des Kollektivs oder im Flüstern der Zweisamkeit hörst du deine eigene Melodie der Stille. Dann wirst du auch im Kollektiv und in der Liebe dein wahres Glück finden. Denn dass man nur andere lieben kann, wenn man sich selbst liebt, ist eine Grundwahrheit des Menschen. Alles was du tun musst, ist die Stille suchen und horchen.

Aus „Der schöne Schein“

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