Alte Rebellen

Wenn du dich nicht täglich selbst erneuerst, alter Kämpfer
Egal, was du beteuerst, alter Kämpfer
Wirst du zu dem, was du bekämpft hast, immer
Wahrscheinlich sogar noch schlimmer

Sich immer neu zu hinterfragen
Egal, was all die And’ren sagen
Und alles dann zu reflektieren
Das öffnet deinem Kampf die Türen

Nicht immer wird man mit dem Alter besser
Nicht immer bleibt es scharf, das Messer
Mancher kopiert nur noch sein früheres Ich
Und stirbt so täglich innerlich

Bleib standhaft, doch nicht starr
Bleib flexibel, aber wahr

Lass Neues zu, sei nie vollendet
Denn das beendet auch den Kampf
Sei klar im Blick und nicht verblendet
Und dann kämpf mit vollem Dampf

Corona (Wann, wenn nicht jetzt?)

Wer hätte es gedacht
Ein Virus verändert die Welt
Zeigt uns’re Verwundbarkeit
Der Mensch – kein Superheld

Vielleicht ist es ’ne Chance
Vielleicht denkt mancher um
Die Welt so wie sie war
Da ist’s nicht schade drum

Globaler Turbokapitalismus
Abhängigkeit von unmenschlichen Regimen
Geheiligt Geld und Karriere
Das Recht des Stärkeren – das waren die Maximen

Wir können ja auch solidarisch
Zumindest manche, wie sich zeigt
Das ist der Mensch, an den ich glaube
Ich hoffe, dass er’s nicht vergeigt

Denn unsre Welt, sie ist im Wandel
Wir haben es nun in der Hand
Jeder hat das – jeder trägt bei
Vielleicht sieht Menschlichkeit dann neues Land

Ein langer Weg wird es – so oder so
Wir sind noch weit davon entfernt
Im Einklang mit allem zu leben
Wir haben es so sehr verlernt

Wann, wenn nicht jetzt
Denken wir nach?
Wann, wenn nicht jetzt
Werden wir wach?

Menschenpflicht

Die Macher denken zu wenig
Die Denker machen zu wenig
Ein Grunddilemma uns’rer Zeit
Ob uns der „Erfühler“ mal befreit?

Fachidiotie und Machtgeilheit
Sie führen und wir folgen
Wölfe, Schafe, Menschenbeute
Das ist das Hier und Heute

Vielleicht war es nie anders
Ich glaube aber, es kann anders gehen
Die Welt kann ich zwar auch nicht ändern
Doch muss das Kollektiv verstehen:
Wenn jeder das versuchen würde
Dann würde es auch klappen
Angst und Bequemlichkeit sind eine Hürde
Verantwortung aber auch Menschenpflicht
Entzieht euch dieser bitte nicht

Hinter dem Spiegel

Sie schauen sich täglich ins Gesicht
Doch sie sehen sich nicht
Verstehen nicht
Vor der eigenen Fassade stehend
Eine Mauer aus Angst vor sich selbst
Nur in der Herde vorwärts gehend
Robotisch du dich dazu gesellst

Hinter dem Spiegel die Fremde
Hinter dem Spiegel ein Nichts?
Hinter dem Spiegel die Wahrheit
Jenseits des sicheren Lichts

Warum die Angst, sich selbst zu entdecken?
Ja, es wird dich erst zu Tode erschrecken
Doch da ist auch sehr viel Schönes
Und du bist frei und klar im Geist
Wenn du hinter dem Spiegel
Dein Selbst jetzt befreist

Erlerne dich, begreife dich
Jenseits von Raum und Zeit
Als das, was du nun einmal bist
Du und nur du – einfach befreit

Individuell?

Lebst du noch?
Bist du wirklich frei?
Oder wirst du nur gelebt?
Fremdbestimmt – nur noch im Kollektiv dabei?

Der Mensch, er braucht den Menschen
Das ist ja völlig klar
Doch über-sozialisiert
Verschwimmt dein Ich
Mit all der Menschenschar

Der Mensch braucht Regeln und Gesetze
Ich bin kein Anarchist
Doch lange habe ich den Ankerpunkt
In meinem Selbst vermisst

Letztendlich stand ich mir nur selbst im Weg
Ich sah mich nur durch Augen and’rer
Der Mensch ist zwar ein Herdentier
Doch selten nur ein Seelenwand’rer

Was jeder aber sein kann –
Trau dich und geh manchmal zur Mitte
Es macht dich stärker, du zu sein
Und nicht ein Sklave aktueller Sitte

Ein Traum

Das Schreiben ist mein Ventil –
Ein paar hab ich vielleicht schon berührt
Doch was mich wirklich inspiriert
Was ich eigentlich sagen will
Ist zu ungeheuerlich
Es auszusprechen auch nicht möglich
Und doch bin ich nicht still

Es wollten schon viele
Ich meine keine Revolution
Keine Ideologie
Nur ein leiser Zwischenton
Der alles ist

Der Verstand ist wichtig, doch nicht alles
Ein Stück weit muss man ihn verlieren
Um vor lauter Mensch den Menschen zu erkennen
Und ihn zum Optimalen zu führen

Das Hier und Jetzt kann es nicht sein
Das kann nicht die Bestimmung sein
Das ist ein Schatten, dunkle Zeit
Die helle ist vielleicht noch weit

Der Mensch muss sich in Frage stellen
Der Mensch muss andere Fragen stellen
Der Mensch muss Ketten sprengen
Deren Existenz er noch nicht kennt
Bevor er sich so sehr verrennt
Und immer bleibt im Engen

Ich folge weiter einer Ahnung
Einem diffusen Traum
Der stärker ist als alles andere
Noch hat er hier keinen Raum
Eben ein Traum

Nonkonform (Keiner von euch, Teil 2)

Liebt mich oder hasst mich
Es ist mir so egal
Mich anzupassen, einzufügen
Sah ich schon früh als Qual

Nach Wahrheit, nicht nach Anerkennung
Suche ich und strebe
Doch Wahrheit ist für jeden anders
Nonkonform ich also lebe

Ich fühle mich auch frei
Und geh auf meinen Wegen
Zum Glück war ich da konsequent
So ist’s kein Fluch, sondern ein Segen

Lasst mich nur in Ruhe
Auch einsam bin ich nicht
Gleichgesinnte gibt’s genug
Und Anpassung ist keine Pflicht

Alles in dir

Das Universum an sich ist schon Faszination
Der Mensch ist ein Wunder, Lust am Leben sein Lohn
Tatsächlich denke ich, geht es um diese Lust
Doch ohne Verantwortung und Liebe erntet man Frust

So ist das Moralische nicht alles Müll
Doch man muss es auch leben, sonst bringt es nicht viel
Geben und Nehmen müssen im Gleichgewicht sein
Keines von beiden macht glücklich allein

Wer als Löwe geboren ist, soll nicht Adler sein wollen
Nur innerhalb deines Ichs schöpfst du aus dem Vollen
Erlerne dich selbst und schau nicht auf jenen und diesen
Es ist alles in dir – und aus Zwergen werden Riesen

Selbsterkenntnis

Ich sah schon früh, was falsch ist hier
Doch spät erst das, was richtig
Ich suchte viel im Jetzt und Hier
Doch kannte mich nur flüchtig

Doch erst als ich den Blick in mich
Und meine Seele wandte:
Im Herz spürte ich einen Stich
Als ich mich selbst erkannte

Wenn du Ekenntnis suchst, dann wage dies
Und sieh auch die Abgründe
Das ist der Weg ins Paradies
Durch tiefste Höllenschlünde

Innere Freiheit, eine klare Sicht
Sie sind der Lohn der Selbsterkenntnis
Ein leichter Weg ist dieser nicht
Doch löst er die Seele von aller Bedrängnis

Ich fühl mich nun in mir zuhaus
Und halt es für den einzig wahren Weg
Doch such es dir ruhig selber aus
Es ist ein schmaler Steg