Zwischen den Zeilen

Zwischen den Zeilen

Nur was nicht gesagt wird, ist wirklich relevant
Was keiner glaubt, ist vielleicht wahr
Was ist schon unser menschlicher Verstand?
Nur das freie Herz sieht klar

Das freie Herz, wer hat es noch?
Was heißt Freiheit, wenn man sie wirklich lebt?
Und Magie, es gibt sie doch
Es kriegt was will, wer wirklich strebt

So viel Energie geht ins Leere
Schwarz und Weiß sind längst vertauscht
Wo ist des Menschen Ehre?
Wenn er unselig durch Geschichte rauscht

Engel weinen, doch Hoffnung bleibt
Was nie gesagt wird, kann uns retten
Bevor das Schwarz uns einverleibt
Und Menschlichkeit sprengt alle Ketten

Grenzgänger

Grenzgänger

Wir sind Genie und schwer verrückt
Unsere Werke haben stets verzückt
Sind verflucht und doch gesegnet
Haben der Kunst den Weg geebnet

Mancher wurde sehr verehrt
Das Autogramm war stets begehrt
Ging dann am Ruhm zugrunde
War beim Dealer Kunde

Mancher starb verarmt und einsam
Wie viele haben das gemeinsam?
Wurden posthum oder nie bekannt
Doch haben ihre Herzen auch gebrannt

Wisst bei Dichtung, Liedern und Gemälden
Auf ihre Art sind Künstler Helden
Genie und Wahnsinn, es ist wahr
Mach Kunst auf eigene Gefahr

Der Spinner

Der Idealist

Neue Spinner braucht das Land
Ich biete mich da gerne an
Ich glaub noch an Vernunft, Verstand
Obwohl ich sie kaum sehen kann

Ich glaub trotz allem an das Gute
Und dass es mal Frieden gibt auf Erden
Humanismus als das Absolute
Der Mensch ist vielleicht noch im Werden

Ich glaube wirklich an die bessere Welt
Denn ich bin wie gesagt ein Spinner
Nicht ewig zählen wird Macht und Geld
Und der Gute wird Gewinner

In meinem Wahnsinn gehe ich soweit
Zu glauben, dass wir mal neue Stufen schaffen
Ein neues Bewusstsein der Menschheit
Endlich mehr Abstand zum Affen

Wer will auch ein Spinner sein?
Vielleicht wird es ja doch mal wahr
Ich denke, ich bin nicht ganz allein
Doch verrückt schon, soviel ist klar

Wann?

Wann?

Zum Schweigen verdammt sind die Weisen
Am tiefsten waren immer die Leisen
Macht für den, der Macht nicht will!
Sprache ist nichts, doch alles Gefühl

Wer sieht, will oft lieber blind sein
Wer Tiefes erfühlt, ist nicht selten allein
Das Offensichtliche ist in der Ferne
Auf dass das die Menschheit noch lerne

Gedanken sind frei – oder auch nicht
Siehst DU in dem Dunkel ein Licht?
Wer seinen Geist beherrscht, der ist mächtig
Wer es offenbart, gleich verdächtig

Trotz aller Wirren der Menschheit
Trotz allen Wahnsinns der Zeit
Ist Hoffnung niemals verkehrt
Wann ist der Weise mal wieder begehrt?

Was zählt

Was zählt

Nicht alles was wir uns erhoffen
Nicht alles geht auch in Erfüllung
Die Zukunft ist doch immer offen
Das Jetzt ihre Enthüllung

Doch bringt es nichts damit zu hadern
Im Jetzt fließt Blut durch deine Adern!
Jetzt lebst du und gestaltest morgen
Um gestern brauchst du dich nicht mehr zu sorgen

Je mehr du lebst im Augenblick
Erfüllen sich morgen Träume – Stück um Stück
Je mehr dein Heute du gestaltest
– und nicht dein Dasein nur verwaltest –
Wird’s Leben besser, glaub es mir
Es zählt einfach das Jetzt und Hier!

Die Mitte und der Rand

Die Mitte und der Rand

Geh in deine Mitte
Erfühle, was da ist
Jenseits allgemeiner Sitte
Bist du, was du bist

Doch geh auch an den Rand
Lebe, ja, nimm teil am Leben
Reich andern deine Hand
Es ist ein Nehmen und ein Geben

Alles hat so seine Zeit
Das Außen und das Innen
Auch Glück, auch Leid
(kein Schatten ohne Licht!)
Im Wechsel lässt es dich gewinnen

Unversöhnlich

Unversöhnlich

Dies ist nicht deine Zeit zu blühen
Verkrüppelt haben sie die Seele dir
Dein freier guter Geist ‒ du kannst dich noch so sehr bemühen
Bist verwundet, ein gejagtes Tier

Nein, heute hast du keine Chance
Es herrscht die Oberflächlichkeit
Die leichte Kost, ein Volk in Trance
Was ist das für ne Zeit?

Denn die Substanz, denn wahre Werte
Und tiefere Vernunft im Herzen
Wer ist noch da, der das verehrte?
Für dich sind’s Höllenschmerzen

So finster wie das klingt, so ist es
Wer sieht das heute noch?
Das Volk frisst Scheiße und vergisst es
Gleichgültigkeit, dein Los, dein Joch

Gern würde ich versöhnlich schließen
Doch sieht die Wirklichkeit eben so aus
In all dem Dreck kann keine Blume sprießen
Sie reißen dir dein Herz heraus

Lebensbeichte

Lebensbeichte

In meiner Brust, da wohnt nur eine Seele
Doch was sie bräuchte, gibt es nicht in dieser Welt
So musste ich dies Monster schaffen
Das nachts zur Unterwelt den Zugang hat
Und sich dem Bösen zugesellt

Bei Tageslicht leuchten Vernunft und Sitte
Bei Tag fehl’n aber auch die Tiefe und der Sinn
Bei Tag, da brauch ich eine Maske
Sonst würden sie mich quäl’n und töten
Ja mich, so wie ich wirklich bin

Ich bin nicht Jekyll und ich bin nicht Hyde
Doch brauch ich beide sie zum Überleben
Das Pendel überquert die Mitte
So kann mir diese Abart einer Welt
Am Ende doch noch etwas geben

Und manchmal – in einer Nacht in meinen Armen
Das Pendel steht, du kannst mich sehen
Es fällt die Maske und das Monster schläft
Der Raum steht dann in Flammen
Und du wirst verstehen

Aus dem Gedichtband „Der schöne Schein“

Das letzte Schlaflied

Das letzte Schlaflied

Schlafe, mein Kindlein, schlaf ein
In meine Welt tritt nun hinein
Es wird dir an nichts mangeln
Von Lüge zu Lüge
Wirst du dich hangeln

Du wirst wissen, was man wissen darf
Nur dein Gefühl wird stumpf, dein Verstand bleibt scharf
Du wirst so wie fast alle sein ‒
Schlafe, mein Kindlein, schlaf ein

Du wirst glauben, was du glauben sollst
Wenn du im Zuge mit der Masse rollst
Du wirst niemals sehr leiden
Wahre Herausforderung
Wirst du vermeiden

Du wirst Kinder haben und einen guten Beruf
Lauwarme Zufriedenheit und nen einwandfreien Ruf
Deine Seele wird schmutzig, doch dein Gewissen wird rein –
Schlafe, mein Kindlein, schlaf ein

Ja, mein Kind, folge mir auf den breiten Weg
Zu gefährlich ist der schmale Steg
Zähle das letzte Zauberschaf
Ich schicke dich in den traumlosen Schlaf
In eine Welt voller Schein –
Schlafe, mein Kindlein, schlaf ein

Aus dem Gedichtband „Der schöne Schein“