Der Weg

Der Weg

Im Anfang ist der Wille. Der viel zitierte Weg des Kriegers basiert auf dem Willen des Kriegers, nicht nur dem reinen Überlebenswillen, sondern dem schöpferischen Willen. Dem Willen, Spuren zu hinterlassen, für etwas zu stehen. FÜR etwas und nicht immer nur gegen Existierendes, agieren und nicht immer nur reagieren. Dabei muss man nicht unbedingt berühmt werden, es braucht kein Denkmal, um Spuren zu hinterlassen. Lebt und strebt man für das was man ist, innerhalb der gegebenen Grenzen und Möglichkeiten die man hat, für die eigene Wahrheit, dann ist man mit sich im Gleichgewicht und mit seiner Umgebung und alle die es wert sind, alle die ein Stück Weg gemeinsam mit einem gehen, diese Menschen „infiziert“ man mit der Leidenschaft für das Leben und die eigene Wahrheit. So kann man die Welt ändern und glücklich sein.
Wie aber findet man diese eigene Wahrheit? Durch Erfahrung, die allerdings nur etwas wert ist, wenn man sie reflektiert am eigenen Ich, das sich wiederum nur wahrnehmen lässt, indem man bewusst in sich hineinhorcht. Wie Hesse sagte, man muss zwischen der Vita activa, der aktiven Teilhabe am Leben und der Vita contemplativa, der zurückgezogenen, in sich gekehrten und beobachtenden Lebensweise wechseln. Immer wieder, im eigenen Rhythmus.
Und man muss wachsen, einen Schritt nach dem anderen tun.
Im Anfang ist der Wille, der Weg ist tatsächlich das Ziel und der Lohn kommt, wenn auch langsam. Wähle also diesen schwierigeren Weg. Er lohnt sich dann, wenn du ihn konsequent gehst und dich nicht beirren lässt.

Die Melodie der Stille

Die Melodie der Stille

Wir streben nach äußeren Glücksereignissen. Nach lauten Triumphen, immer im Kollektiv, zumindest zu zweit, zumindest noch flüsternd. Wir streben nach großen Momenten und Erfolgen, die immer von anderen wahrgenommen werden müssen, um zu entstehen. Doch Glück ist woanders. Wenn der Bezugspunkt des Glückes die anderen sind, bist du ein Sklave, bist du abhängig. Aber vor allem kannst du dann niemals einen wahren Glücksmoment erleben, denn der entscheidende Faktor ist nicht nur unkalkulierbar, sondern auch nicht erfassbar, nicht fühlbar. So bleibt immer ein Gefühl der Leere.
Im Labyrinth des Selbst dagegen ist vollendete Magie. Alles ist greifbar, alles ist beeinflussbar und alles ergibt Sinn (wenn auch nicht sofort). Wenn du genügend Zeit in der Stille verbringst, dann wirst du sie als Etwas wahrnehmen und nicht mehr als Nichts. Du wirst sie immer deutlicher hören und was du hörst wird wunderbar sein und dich glücklich machen. Denn diese Melodie der Stille ist das endgültige Begreifen des Ichs als existierendes eigenes Wesen, das intensivste Gefühl, das es geben kann. Man ist nicht länger ein Teil der Welt, man ist eine Welt. Jedes scheinbar bekannte Gefühl wird neu und faszinierend, alles Äußere bekommt einen wahren Bezug.
Und dann kommen die lauten Triumphe. Der zweite Schritt kommt nach dem ersten. Wenn du die Melodie deines Ichs kennst, dann musst du dich nicht mehr im Äußeren verlieren, sondern es wird ein Bezug, eine Verbindung zwischen den anderen und deiner inneren Welt entstehen.
Als autonomes Wesen agierst du jetzt in der großen unkalkulierbaren Welt, die auf einmal immer kalkulierbarer wird. Du musst nicht mehr nur reagieren, da nun etwas da ist, an dem du alles reflektieren kannst. Im Lärm des Kollektivs oder im Flüstern der Zweisamkeit hörst du deine eigene Melodie der Stille. Dann wirst du auch im Kollektiv und in der Liebe dein wahres Glück finden. Denn dass man nur andere lieben kann, wenn man sich selbst liebt, ist eine Grundwahrheit des Menschen. Alles was du tun musst, ist die Stille suchen und horchen.

Aus „Der schöne Schein“

Der Weise (Kurzgeschichte)

Der Weise (Kurzgeschichte)

Diese Geschichte spielt in irgendeiner Kultur irgendwann auf unserem oder einem anderen Planeten. Ein Reisender stößt zu einer Menschenansammlung hinzu…

„Was macht ihr hier?“, fragte der Reisende den ersten Mann. „Wir warten auf den Weisen. Das Orakel sagte, dass er hier heute auftauchen wird.“
Der Reisende fragte weiter: „Wirklich? Was ist das denn für ein Weiser?“
„Sie wissen ja überhaupt nichts. Er ist DER Weise!“, antwortete der erste Mann.
„Ach so“, sagte der Reisende.
„Und warum wollt ihr ihn sehen?“ Der zweite Mann schaute den Reisenden argwöhnisch an. „Was für eine blöde Frage. Weil er der Weise ist!“ „Ach so“, sagte der Reisende.
„Wisst ihr schon, was ihr ihn fragen wollt, falls er kommt?“
„Falls er kommt? Wenn das Orakel sagt, er komme, dann kommt er auch, Sie Ignorant.“ Der zweite Mann wurde langsam sauer. „Entschuldigung“, sagte der Reisende.
„Und was werdet ihr ihn fragen, wenn er kommt?“, setzte der Reisende das Fragen fort. Nun drehte sich der dritte Mann um. „Er soll uns einfach alles sagen, was er weiß.“
„Und dann werden eure Leben besser?“, fragte der Reisende. „Natürlich!“, sagte der dritte Mann.
Sie schwiegen ein wenig.
„Woran erkennen wir den Weisen eigentlich, wenn er kommt?“, fragte der Reisende dann irgendwann. „Sie stellen schon wirklich dämliche Fragen“, sagte der erste Mann genervt. „Den erkennen wir, weil…“. „Weil er weise aussieht?“, half der Reisende dem ersten Mann. „Ja verdammt, genau!“ „Ach so“, sagt der Reisende.
„Wer sind Sie eigentlich? Sie sind nicht von hier.“ Dieser ignorante Frager hatte nun die Neugier des ersten Mannes geweckt. „Nein, ich bin ein Reisender.“ „Und woher kommen Sie?“ „Ich komme von einem Reich weit von Ihrem.“ „Von welchem?“ „Eurem Volk ist es unbekannt und das wird es auch immer bleiben.“
Der zweite Mann mischte sich nun wieder ein. „Unser Volk erforscht ständig neue Gebiete, und irgendwann werden wir schon zu Ihrem Reich vordringen. Und wer weiß, vielleicht zerstören wir es ja…“ „Nein. Ihr werdet dort, wo mein Reich ist, nicht suchen“.
Jetzt hatte er die ungeteilte Aufmerksamkeit aller drei Männer. Auch andere stellten sich nun dazu, um den merkwürdigen Fremden zu sehen.
„Was soll das für ein Reich sein, das wir nicht finden sollen?“ fragte der dritte Mann. Der Reisende antwortete: „Es ist ein Reich, in dem Wahrhaftigkeit und Vernunft herrschen. Ein Reich, in dem die Menschen sich selbst lieben und bei sich selbst sind. Ein Reich, in dem jeder das ist, was er ist.“
„Jetzt hör mir mal gut zu, du Spinner“, rief der zweite Mann. „Wenn es wirklich irgendwo ein Land gibt, das voller Idioten wie dir ist, dann finden wir es und zerstören es. Und mit dir sollten wir anfangen!“ „Mich könntet ihr natürlich töten“, sagte der Reisende „aber mein Volk werdet ihr niemals ganz ausrotten können.“ „Das werden wir bestimmt.“, sagte der zweite Mann wütend, „wir haben die beste Armee der Welt“. „Ihr habt die beste Armee der Welt, und ihr seid wohlhabend, aber ihr habt sonst nichts, ihr habt nichts was wichtig ist, denn ihr seid nicht, was ihr seid. Und bringt die um, die es sind.“
„Ok, du Freak“, sagte der erste Mann. „Du hast großes Glück, dass wir hier auf den Weisen warten, denn sonst würden wir dich aufhängen. Wir wollen aber den Weisen nicht mit so etwas Ärgerlichem wie dir Abschaum konfrontieren. Er kann ja jeden Moment kommen. Aber hau jetzt ganz schnell ab, bevor wir es uns noch anders überlegen.“
Mit einem Lächeln, das das Volk als provozierend empfand, nickte der Reisende den Leuten als Geste des Abschieds zu. Dann drehte er sich um und ging langsam davon.
Das Volk lästerte noch lange über ihn. Zeit dazu hatten sie genug, denn der Weise, auf den sie warteten, kam nicht. Als es dunkel wurde und der Weise sich noch nicht gezeigt hatte, zog die Gruppe zum Tempel und tötete das Orakel.

Aus „Der schöne Schein“

Tod, Tod und Überleben

Tod, Tod und Überleben

Teil 1 – Tod (Das Kommando)
Die Tür schlug ins Schloss, und er wusste, dass sie dies gerade zum letzten Mal getan hatte.
Aus allen Ecken stürzten sie sich auf ihn, doch es war nur in seinem Kopf. Er hatte sich ihnen nicht früh genug gestellt; sie waren die anderen und sie waren er selbst.

Wenn Knüppel von außen auf dich einprügeln, ist es nichts. Niemals kommen sie an dich ran, so stark die Schmerzen auch sein mögen. Und wenn du draufgehst, so hast du doch überlebt. Doch wenn sie in deinem Kopf sind, du hast es selbst so weit kommen lassen (!), ist es dein Ich, dein Selbst, das angegriffen wird.
Es kommt dir alles so mächtig vor und so unbeeinflussbar. Doch nicht nur war es deine Entscheidung, dass es so weit kam, es ist auch deine, dass es aufhört, jederzeit. Halt mich für… verrückt.

Er hatte in eine dunkle Ecke fliehen können und verharrte dort. Viel Raum war nicht mehr, sie schienen überall zu sein. Er wollte nichts mehr fühlen, er wollte… nichts mehr fühlen.
Er fühlte ihre Nähe. Er hatte immer gewusst, dass sie da waren, eigentlich kannte er sie besser als sich selbst. Auch hatte er gewusst, dass der Tag kommen würde. Es war nur eine Bestätigung. Er hatte es immer gewusst.

All jene Mächte, die so unkontrollierbar scheinen, die uns an der Erreichung unserer Ziele, an der Erfüllung unserer Träume (du hast doch welche?) hindern, wo kommen sie her? Gibt es überhaupt etwas außerhalb deines Verstandes? Vielleicht, aber das ist zunächst unwichtig. Natürlich kommt alles nur aus dir. Du bist alles und ohne dich ist nichts… für dich. Also kannst du auch alles kontrollieren. Selbst bewusst sein – selbst sein, bewusst sein.

Sie hatten ihn entdeckt. Er hörte, er sah, er roch sie nahen. Alles war noch erträglich, aber der Geruch machte ihn wahnsinnig, er war so verdammt vertraut. Es roch wie die ganze Welt. Und es war nur in seinem Kopf. Einer trat hervor. Jener war größer als die anderen. Er konnte fast sein Gesicht sehen. Er hätte es sehen können, aber jener hatte keins.

Ist der Geruchssinn nicht der realste? Sehen, Hören, selbst Fühlen ist flüchtig. Doch Gerüche, Gerüche sind präsent, sind real, sind sinnlich, sind unausweichlich, sind nicht flüchtig, weil sie flüchtig sind. Manche von uns können fliehen. Sie verrotten schmerzlos. Andere müssen sich stellen. Mancher muss dem gesichtslosen Menschen ins Gesicht sehen. Dies ist der Ursprung des Wahnsinns.

Er wusste, dass sein Ende gekommen war. Da er immer den leichteren Weg gegangen war, konnte er es auch nicht besser wissen. Er kauerte sich in seine Ecke und erwartete sein Schicksal. Er spürte noch ein letztes Mal die Kraft aus Kindertagen und Jugend. Doch sie war nicht mehr Teil von ihm. Er spürte noch mal die Leidenschaft. Doch es war mehr wie eine ferne Erinnerung. Er war immer den leichteren Weg gegangen, er wusste es nicht besser.
Der Gesichtslose streckte eine Hand aus. Die anderen hinter jenem taten es ihm gleich. Er hätte schreien können, doch er tat es nicht.

Wie fühlt sich Sterben an? Die Toten können nicht erzählen, auch nicht die lebenden Toten. Vielleicht gibt es einen Weg zurück durch das Purgatorium, vielleicht auch nicht. Aber kaum einer von ihnen will ihn gehen. Die Überlebenden sollten die lebenden Toten bekämpfen. Es war für uns alle eine Frage der Entscheidung – irgendwann. Also, keine Gnade!

Als es vorbei war, fühlte er sich gut. Vielleicht ergriff er einen guten Beruf und gründete eine Familie. Jedenfalls existierte er noch lange und zog eine Spur der Verwüstung nach sich. Er wurde lange nach seinem Tod in Ehren beigesetzt. Und keiner vernahm das höhnische Lachen des Himmels.

Teil 2 – Der Tod und der Tod
Es gibt zwei Arten von Tod. Einmal den wahren Tod, der Teil allen Lebens ist, der mit das wichtigste Element zum Funktionieren der Natur ist, der das Leben definiert und so wertvoll macht, den Bruder des Lebens. Und den weitaus schlimmeren. Den nämlich, der unseren heutigen Durchschnittsmenschen mit vielleicht Anfang zwanzig ereilt, manchen früher, manchen später, jedenfalls lange bevor er stirbt. Den, der jede Magie und den Großteil der Individualität erstickt, das ewige Fragen und Sich-entfalten der Seele, des ewigen Kindes beendet und an seine Stelle eine Welt ohne Wunder, ein fauliges Universum der angeblichen Vernunft setzt. Jener Tod, der ein System der Selbstlüge und Feigheit, des Nichts-riskierens und Nicht-mehr-hinterfragens in der Seele des noch so genannten Menschen institutionalisiert. Der den Zweifel als den Motor der Seele auslöscht. Dieser Tod beendet den wahren Menschen und schafft das künstliche Wesen, das seine eigene Imitation imitiert. Das sich völlig auf künstliche Dinge konzentriert, bemüht nicht abzuweichen und ausschließlich in oberflächlichen Zielen seine Erfüllung sucht und das Wunder, das es ist und in sich trägt nicht mehr sieht. Dieses Wesen, das im Abglanz des eigenen Lichtes wandelt, wird zerstören, ob es will oder nicht. Auch wenn es mit seinem Verstand und seiner Logik gut sein und lieben will, kann es das nicht wirklich, da es kein Gefühl mehr hat. Es weiß nicht mehr, was wahre Liebe ist und es merkt nicht wie es zerstört, da es das, was es zerstört nicht mehr kennt und sieht. Es ist nicht böse, es ist einfach nur tot. Dies ist die Zeit der lebenden Toten.

(So ziemlich alles in dieser Gesellschaft fußt auf Verdrängung. Wir verdrängen unser Innerstes, wir verdrängen unsere Selbstlügen und so entstehen die großen, die universalen Lügen. Von Mikro zu Makro. Ein ganz einfacher Mechanismus eigentlich. Es braucht den Menschen, der sich sich selbst stellt. Es braucht die Gesellschaft, die sich sich selbst stellt.)

Teil 3 – Überleben
Die beiden Arten von Tod, um die es hier geht, sind natürlich sehr unterschiedlich. Doch wenn die beiden Arten von Leben, die diesen Toden vorausgehen, gefährdet sind, dann ist die Kunst des Überlebens dem Wesen nach die gleiche. Voraussetzung ist in jedem Fall der Wille zum Überleben. Die meisten täuschen sich vor, ihn zu haben, die wenigsten tun es. Denn er setzt Selbstliebe voraus. Dass in der Natur die Starken überleben, hat seinen Sinn. Und Stärke ist nichts anderes als die Liebe zu sich selbst. Wer sich wirklich kennt, sich sein Wunderland und seine Magie erhalten hat, der wird sich lieben und der hängt wirklich an seinem Leben, nicht an dem ganzen oberflächlichen Zeug, sondern an seinem Wesen. Ein solcher Mensch wird in jeder (realen) Wüste, im Dschungel verirrt, in der Arktis verloren oder auf einem Schlachtfeld unheimliche Kräfte entwickeln, die ihm das Überleben sichern können. Und auch den zweiten Tod, den Tod der Seele, kann ein solcher Mensch verhindern, auch wenn das hier und heute härter ist als jede Wüste und jeder Krieg.
Natürlich kannst du auch für andere kämpfen, für Menschen, die du liebst, aus ihnen und deiner Liebe zu ihnen Kraft schöpfen, aber die Grundvoraussetzung ist immer noch die Selbstliebe, denn sie ist auch Grundvoraussetzung dafür andere zu lieben.
Wenn du dir die Selbstliebe nicht nur vor täuscht, sondern deine Welt erkundest, deine Schönheit siehst, dich wirklich liebst, kannst du überleben.
Und nur die Lebenden können wahres Glück und wahre Liebe fühlen.

Aus „Der schöne Schein“