Predigt

Predigt

Es gibt keinen Gott – und er liebt uns trotzdem
Es ist alles ganz anders – weil es ist wie es scheint
Den Wald vor lauter Bäumen…
In Dummheit wir vereint

Verdammt die geistig Armen
Wir sündigen durch das, was wir nicht tun
Wir sind bequem in Hirn und Seele
Schon vor dem Tod in Frieden ruhn…

Sprich ein Gebet – zu dir, nicht nach oben
Bist du noch da, ich rede mit dir?
Zu ernst darf man sich selbst nicht nehmen
Sagte das Schaf im Maul vom Raubtier

Am Ende kommt das Amen
Am Ende schließen sich die Kreise
Am Ende steht der Sensenmann
Der gewinnt immer, freut sich leise

Das ultimative Gedicht

Das ultimative Gedicht

Wahrheit, Klarheit, Liebe
Was, wenn ich es schriebe?
Das Gedicht, das alles ändert
Die Welt zum Stillstand bringt
Und jeder Leser nur um Fassung ringt

Könnten Worte das erschaffen
Könnten Worte derart heilen…
Dann hätte vor mir jemand es getan
Den Ruhm müsste der nicht teilen

So bleibt mir nur der Traum
Vom ultimativen Gedicht
Schade, dass es das nicht gibt
Die Welt bräuchte dieses Licht

An einen Schizophrenen

An einen Schizophrenen

Gehetzt und getrieben
Was ist dir geblieben?
Stehst vor einer Wand
Es nimmt dir den Verstand

Psychisch krank
Des Schicksals Dank?
Die Gene oder Opfer dieser Welt?
Weißt auch nicht, wie es sich verhält

Stimmen hörst du unentwegt
Höhnisch sind sie unterlegt
Wie soll es jetzt nur weitergehen?
Warum du? Du kannst es nicht verstehen

Die Weißkittel bemühen sich sehr
Geben dir Pillen, du willst keine mehr
Deine Welt werden sie nie kapieren
Deine Wahrheit nie ganz respektieren

Was ist krank und was „normal“?
Wann ist ein Geist schon ideal?
Im „Kranken“ kann auch Schönheit sein
Doch ist das Schöne oft allein

Klar geht’s oft nicht ohne Pillen
Klar brauchst du Hilfe und dazu den Willen
Doch lass sie nicht auch deine Einzigartigkeit „heilen“
Ab und an sollst du auch noch in deiner eig’nen Welt verweilen

Aus dem Gedichtband „Der schöne Schein“

Back from Hell

Back from Hell

Ich bin der, der durch dein Raster gefallen ist
Der, dem du den Rücken zugewandt hast, als er ganz unten war
Ich bin der, den du verhöhnt hast, weil er schwach war
Ich bin der, auf den du getreten bist, als er wehrlos war

Ich bin der, für den du dir nicht die Mühe gemacht hast, obwohl es deine Pflicht war
Ich bin der, den du in deine engen Schubladen eingeordnet hast
Ich bin der, an dem du ein Exempel deiner Halbwahrheiten statuiert hast
Ich bin der aus deiner Statistik

Ich bin der, der daneben stand, als du deine Lügen und Vorurteile rausposaunt hast
Der, dem du das Herz gebrochen hast
Ich bin der, der so lange still aushalten musste
Ich bin der, der ewig schweigen sollte

Ihr konntet nicht ahnen, dass ihr mich wiederseht
Von dort wo ich war gibt es kein Zurück – normalerweise
Doch was ist schon normal?
Und jetzt – Gnade euch Gott!
Auch wenn meine Waffe nur das Wort ist, seid euch gewiss:
Am Ende bekommt doch jeder, was er verdient

Aus dem Gedichtband „Der schöne Schein“

Schreibblockade

Schreibblockade

Ich weiß nicht mehr, was ich schreiben soll
Hab alles schon gesagt
Das Blatt ist leer, das ist nicht toll
Die Hand am Stift versagt

Alles, was mich so berührt
Alles, was mir wichtig ist
Hab ich schon formuliert
Es kommt nichts mehr, ach so ein Mist

Noch was über Freiheit?
Noch was über Tod?
Über Glück und über Leid?
Über des Menschen Not?

Vielleicht kommt wieder mal was raus
Doch gerade läuft es nicht
Ich mach mir jetzt nichts weiter draus
Es kommt schon wieder Licht

Doch was seh ich da, das Blatt hat sich gefüllt
Viel geschrieben, wenig Sinn
Egal, den Zweck hat’s auch erfüllt
So dass ich nun zufrieden bin

Aus dem Gedichtband „Der schöne Schein“

Nächtliche Mysterien

Nächtliche Mysterien

Engel der Nacht:
„Im Dunkel zu wirken
Erwählt und verdammt
Die Nacht ist für Seelen
Die ich hab entflammt

Den Zauber vollbringe
Im Scheine der Kerzen
Die Nacht prüft wahrhaftig
Die Reinheit der Herzen

Verdammter, Erwählter!
Morpheus wird führen
Träum dir ein Reich!
Öffne die Türen!“

Morpheus:
„ Bin ich nicht wahrer als der wache Tag?
Bin ich nicht die Essenz deines Lebens?
So flüchtig und doch dein ganzes Sein?
Grund deines wachen Strebens?

Im Nebel ist Klarheit
Im Licht das Geheimnis
Ich bin deine Seele
Und doch nur ein Gleichnis“

Der Magier (erwacht):
„Es ist soweit, es muss nun sein
Nie fühlte ich mich so allein…
Doch wird der Schüler nicht besser als der Meister
Hat der Meister versagt
Und beide haben wir immer
Nach den Sternen gejagt

Mit Bangen und Hoffen
Das Buch ist nun offen
Mein Fluch ist mein Segen
Hirn stemmt sich dagegen

Doch muss es passieren
Ich muss ihn kreieren
Nun, Geist, erscheine
Der Raum ist der deine“

Nemesis (erscheint):
„Du hast mich entfesselt?
Du hast mich befreit?
So höre nun Welt
Denn ich bin bereit:

Ihr kranken Gesunden
Ihr perversen Normalen
Ich dringe in eure Träume
Und schenke euch Qualen

Ich bin euer Dämon der Wahrheit
Schutzpatron der reinen Seelen
Und der Untergang aller
Die diese Tag für Tag quälen

Blind seid ihr für jene Leiden
Die den Wahrhaftigen ihr auferlegt
Ihr seht nicht, wie ihr Leben tötet
Seid nun mit meinem Fluch belegt

Ein neues Kind kommt auf die Erde
Ihr stürzt euch drauf ohne Respekt
Wer gibt euch das Recht zu glauben
Recht zu haben ‒ oh, verreckt

Im immer neuen Wahn der Lüge
Verleugnet ihr das Offensichtlichste
Schwachen Verstandes Angstkonstrukte
Und blinde Norm das Wichtigste

Aus den tiefsten Tiefen eures Unbewussten
Greife ich euch an und richte
Göttliche Gerechtigkeit solltet ihr fürchten
Wenn ich, Nemesis, euch ganz vernichte

Irgendwo tief in euch sind sie übrig
Reste der verleugneten Natur
Befrei ich sie, wird sie sich rächen
Freut euch schon auf Qualen pur“

Der Magier (erschöpft):
„Das war es, entfesselt
Dring nun ein in den Tag
Ihr werdet noch spüren
Was der Dämon vermag“

Engel der Nacht:
„So werd ich dann entschwinden
Für eine Ewigkeit
Die einen werden mich finden
Die andern vergehen mit der Zeit“

Aus „Der schöne Schein“